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Tier- und Menschenwohl: Ein Spannungsfeld in der Praxis der Sozialen Arbeit

Am 8. Mai durfte unsere Wohnbegleiterin Vanessa Simon im Rahmen der Schweizerischen Tierärzt:innentage in Bern an einer Podiumsveranstaltung teilnehmen und einen Einblick in ihren Arbeitsalltag bei der Suchthilfe Ost geben. In der Diskussion stand das Thema „Tierwohl trifft Menschenwohl“ im Mittelpunkt – eine spannende Auseinandersetzung, die Tierschutz, Tiergesundheit und menschliches Wohlbefinden miteinander verbindet.

Wenn wir heute über das Wohl von Tieren und Menschen sprechen, bewegen wir uns in einem Spannungsfeld, das in der Praxis oft viel weniger eindeutig ist, als es auf den ersten Blick scheint. In der Arbeit der Suchthilfe Ost begegnen wir Haustieren nicht nur als Begleitern, sondern auch als wichtige Ressourcen im Leben von Menschen.

Ein Tier kann Struktur in den Alltag bringen, denn es braucht regelmässige Pflege, Bewegung und Aufmerksamkeit. Gerade für Menschen in belastenden Lebenssituationen kann dies einen stabilisierenden Rahmen schaffen. Darüber hinaus stiften Tiere Sinn: Sie sind auf uns angewiesen, sie geben Nähe und Beziehung und ermöglichen Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, also das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas bewirken zu können.

Nicht zuletzt fördern Haustiere auch die soziale Integration. Sie sind oft Brückenbauer: beim Spaziergang, im Gespräch mit anderen oder einfach als gemeinsames Thema. Für viele Menschen sind Tiere ein Zugang zur Welt, wenn andere Zugänge erschwert sind.

Gleichzeitig dürfen wir die Risiken nicht ausblenden.

Insbesondere bei finanziellen Einschränkungen kann die Haltung eines Tieres zur Herausforderung werden. Tierarztkosten, Futter oder unvorhergesehene Ausgaben können Menschen an ihre Grenzen bringen – und in solchen Situationen besteht die Gefahr, dass auch das Tierwohl leidet. Ausserdem können Schamgefühle den Gang in die Tierarztpraxis erschweren. Da viele Kliniken das Mitbringen von Tieren verbieten, wird Personen mit Suchterkrankungen eine Auszeit zusätzlich erschwert.

Wenn instabile Situationen das Tierwohl gefährden, nehmen wir mit dem Tierschutz Kontakt auf oder sorgen für eine geeignete Fremdplatzierung.

Diese Ambivalenz prägt unseren beruflichen Alltag.

Für uns stellt sich deshalb nicht die Frage „erlauben oder verbieten?”, sondern: Wie schaffen wir Bedingungen, die beides schützen?

Im Begleiteten Wohnen der Suchthilfe Ost gibt es eine Zusatzvereinbarung, in der die Klient:innen ein Depot von 500 Franken anlegen und eine Kontaktperson für den Fall angeben, dass das Tier fremdplatziert werden müsste. Darüber hinaus sind wir dabei, eine niederschwellige Tierarztsprechstunde aufzubauen, die für Klient:innen einfach zugänglich sein soll.

Weitere Informationen

Möchten Sie mehr über das Thema erfahren? Vanessa Simon steht Ihnen für Fragen gerne zur Verfügung.

Kontaktperson

Tier- und Menschenwohl: Ein Spannungsfeld in der Praxis der Sozialen Arbeit

Vanessa Simon

Mitarbeiterin
Begleitetes Wohnen

079 801 15 35
E-Mail