| Die Fussball WM steht für Jubel, Public Viewing und gemeinsames Mitfiebern. Weniger bekannt sind die Schattenseiten des Grossereignisses. Während des Turniers nehmen häusliche Gewalt, Alkoholkonsum und Sportwetten zu. Eine Studie der Warwick Business School zeigt einen Zusammenhang zwischen Fussballspielen und mehr gemeldeten Fällen häuslicher Gewalt gegen Frauen. Die Forschenden werteten Polizeidaten aus England über mehrere Jahre aus und stellten fest, dass die Zahlen nach Spielen der englischen Nationalmannschaft ansteigen und auch am Folgetag erhöht bleiben. Eine weitere Studie der Lancaster University aus dem Jahr 2014 zeigt, dass die Zahl der gemeldeten Fälle nach einer Niederlage Englands um 38 Prozent und nach einem Sieg um 26 Prozent steigt. Forschende führen die Entwicklung vor allem auf erhöhten Alkoholkonsum, emotionale Anspannung und Gruppendynamiken rund um die Spiele zurück. Auch internationale Organisationen wie UN Women und die UNESCO weisen darauf hin, dass häusliche Gewalt während grosser Sportereignisse in verschiedenen Ländern zunimmt. Auch Sportwetten erleben während der WM einen Boom. Laut der Berner Zeitung wurden beim Schweizer Anbieter Sporttip bereits über 2,5 Millionen Wetten auf die laufende WM abgeschlossen. Roger Gubelmann von der Stiftung Berner Gesundheit warnt davor, dass die WM besonders für junge Männer den Einstieg ins Wetten erleichtern könne. Public Viewings, Tippspiele und Werbung würden dazu beitragen, dass Wetten als normal wahrgenommen werde. Im Gehirn würden dabei ähnliche Belohnungsmechanismen wie bei anderen Suchtverhalten aktiviert. Die WM bringt Menschen zusammen und sorgt für Begeisterung. Gleichzeitig zeigt sie, dass hinter der Feststimmung auch gesellschaftliche Probleme stehen, die oft wenig Beachtung finden, für Betroffene aber spürbare Folgen haben.
|
| Quellen: Spielsucht: Wie die Fussball-WM Sportwetten befeuert
|
