«Entweder höre ich mit dem Online-Glücksspiel auf oder ich fahre in den nächsten Baum.»

Lorenz (35) hat während Jahren Online-Glücksspiele gespielt und wurde davon süchtig. Er hat über eine halbe Million dafür ausgegeben. Seine Sucht hat ihn isoliert, bis er irgendwann keinen Sinn mehr in seinem Leben sah. Niemand wusste davon.

1. Lorenz, wie ging es Ihnen während dieser Zeit?

Es gab neben der Arbeit eigentlich nichts mehr anderes. Ich habe Freundschaften vernachlässigt, eine Beziehung hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht. Man vereinsamt. Und je mehr man alleine ist, desto mehr ist man im Spiel drin. Dabei hatte ich auch gar kein Geld, um bspw. etwas trinken zu gehen. Ich war wirklich auf Null.

2. Wieso haben Sie nicht aufgehört mit dem Spielen?

Ich war wie in Trance beim Spielen. Mit der Musik, den Tönen, dem Licht. Es ging mir am Schluss nur noch um den Knopfdruck. So banal das tönt. Ich spürte beim Spielen keinen Druck mehr, spürte mich selbst nicht mehr. Ich denke, wie bei einer Droge. Es ging auch nicht mehr ums Geld. Gewinne ermöglichten mir nur, noch länger zu spielen.

3. Aber der Druck wurde irgendwann zu gross?

Es war eine riesige Last. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich im Auto gesessen bin und mir überlegt habe, dass ich jetzt entweder in den nächsten Baum fahre oder mit dem Online-Glücksspiel aufhöre.

4. Sie haben sich für den Weg aus der Sucht entschieden.

Es war nicht einfach und hat viel Kraft gebraucht. Und es gab auch Rückschläge. Ich war ständig damit konfrontiert, was ich nun tue, wenn ich nicht spiele. Ich musste lernen mich anders zu beschäftigen. Dabei hat mir die Therapie sehr geholfen.

5. Wie hat sich der Lockdown Ihrer Meinung nach auf die Spielenden ausgewirkt?

In dieser Zeit ist vor allem extrem viel Werbung für diese Online-Angebote geschaltet worden. Das ist mir und auch in meinem Umfeld aufgefallen. Sie vermitteln alle ähnliches. Zuhause sitzen, Action, man gewinnt. Wenn ich die Werbung heute sehe, denke ich: Was für ein Schrott.

6. Was möchten Sie problematisch Spielenden auf den Weg geben?

Ich kann nur sagen, dass es einem besser geht, wenn man aufhört. Psychisch, körperlich und auch finanziell. Der Weg dorthin ist nicht einfach. Man muss dranbleiben und es wollen. Aber rückblickend war es doch nicht so schwer, wie ich befürchtet hatte. Das ist meine Erfahrung.

Machst du dir Sorgen wegen deines Spielverhaltens oder kennst jemanden, der möglicherweise problematisch spielt? Hier findest du Informationen und kostenlose Hilfsangebote: www.sos-spielsucht.ch

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